von Daniela Planteur

Schon seit jeher strebt der Mensch nach der Erfüllung und Erkenntnis des Lebens. Dabei ist er stets umgeben von einem Schleier der Unwissenheit. Fragen nach der Zukunft, der Wahrheit, dem Glück, der puren Erfüllung sind dementsprechend kein Phänomen der Neuzeit. Ergebnisse empirischer Forschungen belegen so, dass bereits unsere direkten Vorfahren nach dem „Wie?“ oder „Warum?“ fragten und nach dem Sinn des Daseins suchten. Besonders das „Rezept zum glücklich sein“ und die Anleitung für das „bessere Ich“ stehen im Vordergrund und sind jedem bekannt. Hierbei stelle sich die Frage, ob die Antwort auf all diese Fragen den Menschen tatsächlich glücklicher und sogar besser macht, oder ob das Wissen selbst Herr des Unglücks ist. Unmittelbar darauf folgt die Frage, ob der Mensch allgemein fähig ist, die Wahrheit zu erfassen und als diese zu erkennen oder ob das Leben und seine Laster lediglich eine Projektion des eigenen Gehirns sind. Sollte dies der Fall sein, lässt sich dann sagen, dass das Wissen, die Suche nach der Wahrheit, uns tatsächlich besser und zu einem glücklichen Menschen macht oder besteht das Glück des Menschen in der Unwissenheit?

    Bereits zu Zeiten der Renaissance stellten sich die Menschen die Frage, ob das Gewinnen von Erkenntnissen und die Evolution in jeglichen Bereichen zum Wohl des Menschen beiträgt oder alleinig das bis dato geltende Weltbild zerstört. Dass sich das Streben nach Fortschritt und Innovation sehr wohl als positiv erwiesen hat, zeigt die Modernität und Technologie der heutigen Zeit. Noch heute profitieren wir von den großen Erfindungen und Erkenntnissen da Vincis' und Kolumbus', sowie der Gedankengänge Aristoteles' und Platons. So sorgten sie bereits für wichtige Grundlagen auf denen weitere Entwicklungen und Vorgänge folgten. Beispielsweise sorgten die diversen Erkundungen und Expeditionstouren für die Voraussetzungen der heutigen weltweiten Vernetzung - der sogenannten Globalisierung - die für Kommunikation und Internationalität von großer Bedeutung ist. Das Wissen, das so zugänglich wird, gehört zum alltäglichen Leben. Aber auch bildet es die Grundlage für alle Vorgänge, auf denen Existenzen aufgebaut werden. Die vielen Dinge, die aus dem Wissen folgten, tragen heute außerdem zum Glück jedermanns bei. So erfreuen wir Menschen uns an Kommunikationsmedien, hohem medizinischen Fortschritt, schnellen Fortbewegungsmitteln und obwohl es bereits Jahrhunderte zurückliegt, dem Buchdruck, der für die heutige Zeit von großer Bedeutung ist und vieles erst ermöglichte. Wüssten die Menschen zur Zeit der Renaissance von all diesen luxuriösen Kulturbedürfnissen, so würden sich die meisten wohl kaum fragen, ob das neue Weltbild und das Streben nach dem Unbekannten alleinig das Weltbild erschüttern. Viel mehr würde die Erkenntnis, welch Glück das Neue mit sich bringt, sie zu höherer Motivation antreiben. Nun würden Verfechter der Wissenschaft und neuzeitlichen Erfindungen sicherlich mit Gegenargumenten versuchen zu belegen, dass das Wissen selbst auch schwerwiegende Folgen hervorruft und gleichzeitig Zerstörer von Glück sein kann. Hinsichtlich der Tatsache, dass das gesamte heutige Leben und seine Standards auf dem Streben nach Wissen und den Erkenntnissen daraus besteht, lässt sich jedoch kaum widerlegen, dass das Wissen in dieser Hinsicht dazu beiträgt, uns glücklicher zu machen. Denn selbst die Dinge, die den Verfechtern bei ihren Argumentationen zu helfen versuchen, sind aus dem entstanden, was auf Gedankengängen und dem Wissensstand basiert.

    Nun lässt sich die Thematik jedoch auch von einem anderen Standpunkt aus betrachten. Schließlich sorgen die heutigen Standards nicht alleinig für den Wandel der Bedeutung unserer Bedürfnisse. Sie ermöglichen ebenfalls das Betreten neuer Welten und Sichtweisen, was automatisch eine Problematik hervorruft. Bezogen auf diese lässt sich zwar sagen, dass ähnliche schon seit Jahrhunderten bestehen, doch sind sie in der modernen Welt in der wir heute leben viel ausgeprägter. Die Rede hierbei ist von der Wahrnehmung der Wahrheit und Wirklichkeit, denn die projizierten Welten und Realitäten, die uns täglich in den Medien  begegnen, sind scharf wie die Realität und ermöglichen es dem Betrachter, Welten vom Wohnzimmer aus zu betreten. Doch sind die fernen Welten, die uns begegnen, die Berichte und Bilder von weit entfernten Ländern, wirklich die Realität oder eine Fiktion? Hinsichtlich der Tatsache, dass die Nachrichten und Dokumentationen auf die gleiche Art und Weise produziert werden, wie die großen Kino-Blockbuster auf den Leinwänden und Serien auf Streaming-Portalen, stellt sich doch die Frage, ob das, was uns Bürgern gezeigt wird, auch wirklich Teil der Realität ist. Fügt man hierbei den Fakt hinzu, dass der Mensch neurologisch gesehen nicht in der Lage ist, dies zu beurteilen, da er alles für wahr ansieht, was er mit mindestens zweier seiner Sinnesorgane aufnimmt und außerdem nur das sieht oder sehen möchte, auf das er sich konzentriert, wirft dies ein vollkommen neues Licht auf unser Weltbild. Bezogen auf dies und weiterführende Gedanken lassen sich die Gedanken der Menschen der Renaissance kritisch beurteilen. Denn das Weltbild, das nach ihrer Meinung durch das Wissen zerstört werden könnte, existierte folglich womöglich nicht einmal. Denn wenn wir heute nicht in der Lage sind, die Realität als solche zu beurteilen, waren auch sie dies nicht. Würde das Epizentrum der Täuschung alleinig bei uns selbst liegen, wäre eine Lösung vermeintlich einfach zu finden. Sind wir uns der Täuschung, die wir selbst vornehmen nämlich bewusst, so würde uns das Wissen darüber zu Glück verhelfen. Schließlich wären wir dann selbst in der Lage etwas zu verändern.

    Doch meist sind die Urheber die, die zu manipulieren versuchen. Damit gemeint sind Mächte wie die Medien, der Staat und oft das gesamte Umfeld der heutigen Gesellschaft. Nahezu überall wird manipuliert und Propaganda, ob offensichtlich oder versteckt, gehört zum alltäglichen Leben wie Sonnenschein und Regen. Um dies zu belegen, ließe sich ein erneuter Blick auf die Nachrichten und Medien werfen. Täglich erlangen wir Berichte über die Lagen in Kriegsgebieten oder auch in ärmeren Ländern, doch kann der normale Bürger sicher sein, dass das was er an Informationen erlangt auch wirklich der Wirklichkeit entspricht? Denn wie bereits erwähnt, ist der Mensch nicht in der Lage, alle Informationen, die ihm begegnen auch wahrhaftig zu verwerten. Kommt hierbei der Fakt hinzu, dass die Nachrichten förmlich so frisiert werden, dass sie die Meinungen der Menschen positiv beeinflussen, dann steht das Leben förmlich auf dem Kopf. Mittels Fotobearbeitungsprogrammen, die dank der modernen Technologie nahezu für unmöglich Gehaltenes erstellen, werden Situationen bildlich visualisiert und manipulieren so die eigentliche freie Meinungsbildung des Menschen. Ähnliches wird im Fernsehen durch die Bearbeitung von Bild und Ton erwirkt. Diese können unabhängig von einander bearbeitet werden und so vollkommen situationsfremde Informationen übermitteln. Da dies nicht allen Bürgern bekannt ist, wird vieles einfach als wahr hingenommen. Hinsichtlich dieser Tatsache lässt sich also erneut belegen, dass das Wissen uns besser macht und damit auch glücklicher. Sind wir uns dieser Manipulation bewusst, ist es möglich, sie als solche zu enttarnen und der Realität näher zu kommen. Dies ist fundamental für die Frage der Wirklichkeit und somit für jeden einzelnen von uns von großer Bedeutung.

 

    Die Erkennung der manipulativen Welt könnte hiermit einer Neugeburt gleichen, denn dem Bürger werden dadurch förmlich die Augen geöffnet. Erkennt man Propaganda und Manipulation als solche, erkennt man, dass das bis dato Geglaubte nicht zwingend wahr sein muss. Das Wissen führt so in neue Welten. Ob dies zum Glück des Betroffenen führt, hängt von diesem selbst ab. Dementsprechend ist es abhängig von der Situation und dem Individuum selbst, ob das Wissen für ein besseres Leben sorgt. Fakt ist jedoch, dass die neuen Erkenntnisse nicht rückgängig gemacht werden können. Ist man sich also der Verlogenheit der heutigen Welt bewusst, vergisst man dies nicht wieder. Ein Rücktritt zu dem Altbekannten ist folglich unmöglich. Dies ist vergleichbar mit dem Höhlengleichnis Platons'. In diesem beschreibt der zuletzt benannte die Unmöglichkeit, in die Höhle zurückzukehren, nachdem diese verlassen und erkannt wurde, dass es außerhalb der Höhle noch eine Welt gibt. Bezogen auf Kleist ist dies vergleichbar mit der Beschreibung der Jugendzeit des Verfassers, die symbolisch für das alte Weltbild der Person steht. Dieses wurde mit dem Vorgang des Erwachsenwerdens zerstört, als der Betroffene Wissen erlangte, dass das bisherige auf den Kopf stellte. Somit ist belegt, dass das Glücklichsein aufgrund des Wissens abhängig von Person und Situation ist. So hätte es umgekehrt genauso sein können, dass das Erlangen von neuen Erkenntnissen den Verfasser mit Glück erfüllt.

    Nun kann man auf diese Zeilen fortwirkend noch genauer eingehen und auf die Leitfragen hin untersuchen. Unter diesem Aspekt wird ein Gegenargument deutlich. Wie bereits angeschnitten fühlte sich der Verfasser in seiner Jugendzeit unbeschwert und verlor dies erst mit dem fortschreitenden Erwachsenwerden. Doch beschreibt er ebenfalls das Glück, das er empfand als er Dinge erforschte und sich über anderes gleichzeitig schlau machte. Symbolisch steht die Jugendzeit allgemein ebenfalls für das Sammeln von Erfahrungen und den Aufbau von Wissensgrundlagen. So ist dieser Auszug nicht alleinig ein Beleg für die Situationsabhängigkeit, sondern weiterhin auch ein versteckter symbolischer Beweis für die Verbindung zwischen Glück und Wissen, sowie dem Weg zum besseren Ich. Ist es nicht so, dass Jugendliche stets danach streben, sich zu verbessern, neues zu Entdecken und ihre Grenzen auszutesten? Und ist dies tiefgehend nicht ebenfalls eine Art des Erlangens von Wissen? Kleist deutet so versteckt also auf die Antwort hin und belegt ebenfalls die getroffene Annahme.
    Nicht nur der Verfasser beschreibt dieses Gefühl. Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass der Mensch nach Wissen strebt und dass besonders unter den Jugendlichen ein kaum zu stillender Wissensdurst herrscht. Wohl jedem kribbelte bereits der Magen bei dem Gedanken daran etwas Neues zu erfahren, etwas neues auszutesten. Oder ist dies anzuzweifeln?

Beachtet man hierbei, dass die Frage nach dem Wissen eine Frage der Definition ist, ist das Genannte kaum abzustreiten. Denn Wissen ist nicht allein eine Reihe von Zahlen und Fakten, eine Aufzählung von Statistiken oder Kenntnisse, die in der Schule gelehrt werden. Wissen ist ein Gefühl. Es ist alles, was glänzt und funkelt. Einem neu erscheint und das Leben bereichert.
    Nun lässt sich die Bereicherung von Verfechtern erneut anzweifeln. Doch hierzu möchte ich sagen, dass auch die Dinge, die nicht offensichtlich zu Gutem führen, in gewissermaßen eine Bereicherung darstellen, oder ist das Sprichwort: „Man lernt aus seinen Fehlern!“, lediglich eine leere Floskel?

Sollte dies der Fall sein, müsste vieles überdacht werden. Aber vor allem müsste dann wohl jeder Mensch tief in sich schauen. Ist es nicht so, dass wir alle Fehler machen? Schließlich ist kein Mensch genetisch gesehen perfekt und damit dazu ausgelegt, Fehler zu begehen. Hat dann nicht jeder mindestens einmal seine Fehler bereut und gesagt, dass dies nicht erneut vorkommen wird, und ist dies wiederum nicht eine Erkenntnis, die erlangt wurde? Sind Erkenntnisse nicht eine Ausführung und Folge des Wissens? Und ist es nicht so, dass man im Nachhinein froh ist, dass man nun weiß, dass ein solcher Fehler nicht erneut passieren muss? Macht dieses Wissen nicht glücklicher? Macht uns das Erkennen von Fehlern nicht besser, da wir versuchen es vollkommener zu machen? Beim nächsten Mal nicht wieder Fehler zu machen?

   Es ist also so, dass das Wissen und die Empfindung des Glücks in vielerlei Hinsicht miteinander verknüpft sind. Sei es nun die Modernität, der Fortschritt, die Wahrnehmung der Wirklichkeit, die Menschlichkeit, die Jugendzeit, eine Lebensgrundlage oder ein Resultat. Fakt ist, dass der Begriff „Wissen“ durch vieles zu definieren ist und jeder in der Lage ist, einen Aspekt zu finden, der die These „Wissen macht uns glücklicher und besser.“ belegt und damit die Hypothese bestätigt. Dabei möchte ich keinesfalls anzweifeln, dass es nicht wie bereits erwähnt situationsabhängig sein kann und Individuen in manchen Bereichen nicht zustimmen würden. Doch jeder von uns hat bereits mindestens einmal von dem eigenen Wissen, aber auch von dem der anderen profitiert und damit eine Verbesserung erlangt, auch wenn dies oft unbewusst ist und der Mensch sein Glück und den Ursprung dessen oft nicht wahrnimmt. Wissen ist ein Geschenk und Teil von uns allen.

Darauf bezogen und abschließend möchte ich Johann Wolfgang von Goethe zitieren, denn er brachte es einst auf den Punkt:
„Nichts im Leben, außer Gesundheit und Tugend, ist schätzenswerter als Kenntnis und Wissen; auch ist nichts so leicht zu erreichen und so wohlfeil zu erhandeln […].“

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