Unterrichtsprojekte zur Klimaschutzwoche an der IGS Aurich

(HO) „Hat uns die Natur einen so unstillbaren Hunger gegeben, dass wir selbst die Gier der größten und gefräßigsten Tiere übertreffen?“ Würde der römische Philosph Seneca heute leben und nicht vor zweitausend Jahren, würde diese Frage vielleicht auf seinem Plakat stehen, wenn er wie tausende protestierende Schülerinnen und Schüler am vergangenen Freitag wieder im Rahmen der Demonstationszüge „Fridays for Future“ durch Aurichs Straßen marschiert wäre. Die Frage zeigt, dass Seneca zu einer Zeit, die von Massentierhaltung, fossilen Brennstoffen und Mikroplastik noch weit entfernt war, bereits Sorgen um das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt machte. Festgestellt haben das Schülerinnen und Schüler eines Lateinkurses der IGS Aurich, die wie viele ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler während der vergangenen Woche die Pfade des alltäglichen Unterrichts verlassen und sich stattdessen des Themas Klimaschutz angenommen haben. Damit hat die Schule einen Beitrag zur Diskussion rund um den Sinn der Klimaproteste geleistet: Während die streikenden Schülerinnen und Schüler durch ihre Aktionen für Aufmerksamkeit sorgten und die Politik zum Handeln aufforderten, zeigten die übrigen, wie man in fast jedem Unterrichtsfach diesem Thema arbeiten und dabei zu erstaunlichen Ergebnissen gelangen kann:

Das beginnt mit ganz grundlegenden Diskussionen, im Rahmen derer sich die Schülerinnen und Schüler über ihre Einstellung zum Thema klar wurden und ihr Verhalten überdenken konnten. Der Englischunterricht liefert darüber hinaus noch Vokabeln, die heutzutage in keinem Wortschatz mehr fehlen dürfen: greenhouse effect, climate change oder fossile fuel zum Beispiel. Das Fach Gesellschaftslehre im 7. Jahrgang thematisiert verschiedene Klimazonen und das Leben der Menschen dort, das sich im Laufe der Zeit dramatisch verändert. Auch die Abholzung des Regenwalds zugunsten intensiver Landwirtschaft und die damit verbundenen Probleme lernt man hier kennen.

Wieviel Kilogramm CO2 pro Person verursacht ein Inlandsflug von Berlin nach Köln, verglichen mit einer Bahnfahrt oder einer Autofahrt? Diese Frage beantwortete der Mathematikunterricht in der Oberstufe. Ergebnis: Die Bahn ist mit 27,6 kg wesentlich ökologischer als das Auto (114,4 kg) oder gar das Flugzeug (298 kg). Der 10. Jahrgang berechnet sogar den persönlichen ökologischen Fußabdruck, also die Belastung des Klimas der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler anhand ihres Verhaltens. Man muss aber gar nicht auf komplexe Rechnungen verfallen: Wieviel Raum Autos, Busse, Fahrräder und Fußgänger im öffentlichen Raum einnehmen, lässt sich schon im 6. Jahrgang erarbeiten.

Das unterrichtliche Handeln erschöpfte sich aber nicht im Lesen von Texten, Diskutieren von Reden berühmter Klimaschützer oder Anfertigen von Plakaten, die im Forum ausgestellt werden. Das zeigt z.B. der 9. Jahrgang: Hier wird ganz praktisch Müll in der Umgebung gesammelt – 7 volle Säcke in 25 Minuten und eine ganze Flasche voller Zigarettenkippen! Ein Ergebnis, das erstmal stolz, dann aber auch nachdenklich macht: Wieviel Müll liegt dann weltweit in der Natur herum?

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Das Foto zeigt (von links nach rechts) Meriel Bock, Lennart Grabs und Viktoria Rybin, die Schüler*innen des 8. Jahrgangs, die sich an der HÖB Papenburg zum/r Klimamanager*in haben ausbilden lassen.

Dass man Müll nicht nur sammeln, sondern auch selbst recyclen kann, zeigt ein Projekt des Fachbereichs Kunst, in dem als alten Zeitungen haltbare Kuverts und sogar Beutel zur Aufbewahrung entstehen. Die Künstler erstellten außerdem Fotocollagen von Alltagsszenen, die den Umgang mit Umwelt und Müll im wahrsten Sinne des Wortes ins Bild rücken.

Auf so vielfältige Weise setzen sich Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen mit diesem komplexen Thema auseinander und legen so den Grundstein zu einem ökologischeren Verhalten im Alltag – allein und in der Gruppe. Oder, wie es Seneca formuliert: „Sei vielen von Nutzen, setze dich selbst ein.“

 

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