Drei. Zwei. Eins. Und bitte.

Das Experiment startet. Ich bin jetzt offiziell Kolumnist, Vertreter einer verkannten Kunstform, Sprachrohr des Schulalltags, des Soziallebens und des täglichen Wahnsinns. Cool. 

Warum das Ganze?

Reicht es ihm nicht, während seiner vielen Unterrichtsstunden die Schülerinnen und Schüler, die sich nicht wehren können, mit seinen Gedanken zu beschallen? Muss er seinen Sermon nun auch noch schriftlich und für alle (Schul-)Welt lesbar veröffentlichen? Ja, er muss. Denn Schule ist mehr als Methodentage, Vorlesewettbewerbe und Zeugniskonferenzen. Aus dem Miteinander dieser vielen Menschen entsteht so viel Erwähnenswertes, das ansonsten nirgendwo erwähnt würde, so viele Perlen, die sich ansonsten niemand bemühte, aufzusammeln und daraus eine Kette zu machen. Entschuldigung, ich werde pathetisch. Den Regler muss ich noch feinjustieren.

Natürlich bewegt man sich als Funker aus einem geschlossenen System auf gefährlichem Terrain. Anders als freie Journalisten, die in ihren Kolumnen buchstäblich Narrenfreiheit genießen, verstößt man als Berichterstatter aus der Institution Schule schnell gegen Regeln: Da wollen Persönlichkeitsrechte, Verschwiegenheitspflichten und im Zweifelsfall der gute Ruf gewahrt werden.  Schwierig? Ja, vielleicht.  Aber vielleicht macht gerade das den Reiz aus. Wir werden sehen.

Wer ich bin? Mr. HO, der zu seinem Kürzel aufgrund einer politisch unkorrekten Kombination seiner Initialen kam, Mathematiklehrer, Lateinlehrer, Auricher Urgestein (zumindest wird man das wohl in zwanzig bis dreißig Jahren von mir sagen), Radfahrer, Jogger, Familienvater, Liebhaber elektronischer Musik, Schwedenkrimivertilger, Sammler aller möglichen Rätsel und Spiele. Reicht das als Charakterisierung? Ich denke schon. Herr Zuckerberg wäre sicher sehr zufrieden mit mir.

Dann könnten wir eigentlich loslegen, wäre da nicht noch ein Problem: Wie spreche ich meine Leserschaft, sofern sie existiert, eigentlich an? Das „Du“, Markenzeichen dieser Schule? Problematisch, da wenig repektvoll – wir sind schließlich nicht bei IKEA („Mach’s dir ganz einfach!“). „Sie“? Ich weiß nicht. Zu distanziert, professorenhaft, ex-cathedra-Weisheiten-verkündend („Hätten Sie’s gewusst?“). Ich entscheide mich für „Ihr“, da fühle ich mich gewohnheitsmäßig zu Hause, da ich schon die eine oder andere Klassenstunde absolviert habe. Außerdem lässt das „Ihr“ Spielraum für Interpretationen: Man kann sich damit als Mitglied einer Gruppe verstehen (möglicherweise einer verschworenen Gemeinschaft?), wer möchte, darf sich aber auch im Majestätsplural angesprochen fühlen. 

In diesem Sinne: Wenn ihr, verehrte Leser, solche oben erwähnten Perlen des Alltags für mich aufheben wollt und mir zukommen lassen wollt, bin ich dafür immer dankbar und werde sie in zukünftige Kolumnen einfließen lassen. Ob als Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!oder auf der Rückseite eines übrigbehaltenen Arbeitsblattes in meinem Fach in der Clubzone – alles ist willkommen.

Danke, Mr. HO. Wir melden uns dann bei Ihnen. Rufen Sie uns nicht an.

 

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