Stop mal kurz, aus, aus, aus! Mr. HO, wir müssen mal ein paar Takte reden. So geht das ja wohl nicht weiter?

Was denn?

Hast du mal zurückgeblickt auf die alten Episoden? Kollege, du jammerst die ganze Zeit! „Oh, Hilfe, zu viele Informationen, lasst mich doch alle in Ruhe!“ „Meine schöne Weihnachtsstimmung wird mir vermiest!“ „Es ist zum Heulen, meine guten Vorsätze deprimieren mich!“ „Ich muss SOOOO viele Listen führen!“ „Und keiner schreibt mir mal ne E-Mail!“ Sach ma, merkst du noch was?

Ja, ich gebe es ja zu: Auch ich jammere. Jetzt nicht die ganze Zeit, aber man könnte sagen: Ich bin da in mein Berufsbild ganz gut reingewachsen. Wenn wir Lehrkräfte etwas wirklich gut können – also abgesehen von Unterrichten – dann Jammern!

Ach ja? Hast du Beispiele dafür?

Aber klar! Zu viele Jahrgangsaktionen – man kann kaum noch Unterricht machen! Das neue Jahrgangsteam ist schon besetzt – und wir erfahren es aus der Zeitung! Bis zur sechsten Stunde Unterricht am letzten Schultag vor Weihnachten, alle anderen Schulen machen nach der vierten Schluss! Immer muss ich meine Aufsicht allein machen, weil der Kollege nicht kommt! Eine Schande, dass wir für Klassenfahrten in Vorleistung gehen müssen! Wer macht hier eigentlich den Vertretungsplan? Schon wieder zwei Nachmittage, womit habe ich das verdient? Neue Kollegen? Hoffentlich klauen die uns nicht unsere Stunden! Wenn wir noch weiter runtergehen mit dem Niveau, sind wir bei Null angekommen! Wieso muss immer ich mit ins Theater? Der Kollegiumsausflug war…

Okay okay, ich hab’s kapiert! Aber gibt es denn nichts, was man dagegen tun kann? Deine Jammer-Kolumnen liest doch bald niemand mehr!

Was ganz gut hilft, sind die Quereinsteiger. Die haben schon mal die frische Luft der freien Wirtschaft geschnuppert und rücken einem ab und zu den Kopf zurecht: Was für Privilegien wir hier so genießen und so. Wobei: Es gibt auch diejenigen, die davon erzählen, was in der freien Wirtschaft alles besser war als bei uns, z.B. vom Chef bezahlte Weihnachtsfeiern oder individuelle Arbeitsräume.

Man erlebt auch immer wieder ein paar Pensionäre, die mit halbwegs intakter Psyche und ohne körperliche Gebrechen bis zum Schluss durchgehalten haben. Die ihren Frieden gemacht haben mit durchlöcherten Stundenplänen, nutzlosen Erziehungsmaßnahmen, Busaufsichten nach der zehnten Stunde,…

Fang nicht schon wieder an!

Also, Menschen, die so eine innere Ruhe und heitere Gelassenheit ausstrahlen, als würden sie beständig wispern: „Kopf hoch, Mann! Ist doch alles halb so schlimm. Ich hab’s auch geschafft.“ Ich hoffe, dass ich auch mal zu denen gehören werde… oder sogar zu einem der Bodhisattvas der Pädagogik, die nach der Maxime „Never complain, never explain“ jeden Tag ohne Murren und Knurren ihrer Arbeit nachgehen und sich dabei auch von niemandem an den Karren fahren lassen.

Vergiss es, das schaffst du in diesem Leben nicht mehr!

Na und, ich bin immerhin auch nur ein Mensch, der auch mal Dampf ablassen dürfen muss! Das Jammern ist doch nur die Katharsis des Pädagogen, der Druckausgleich des Tauchers im trüben Brack des Alltags, die geistige Entschlackung nach einer Überdosis Stress!

Na schön, wenn es denn der Klarheitsfindung dient – dann jammer mal schön weiter!

Jetzt muss ich mir schon vorschreiben lassen, was ich zu sagen habe! Tyrann!

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