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Sportliche Biologen im tschechischen Riesengebirge

(DO, BR) Laut Vorgaben des Kultusministeriums stehen im Seminarfach „fachübergreifende und fächerverbindende Problemstellungen im Vordergrund. Es soll in verschiedene Methoden und Arbeitsformen eingeführt werden. (…) Zielsetzung des Unterrichts im Seminarfach sind damit sowohl das fachübergreifende Lernen und Arbeiten an geeigneten Themenstellungen als auch die Erweiterung methodischer Kompetenzen anhand der Bearbeitung eines Sachgegenstandes.“ Als besonders sinnvoll wird es betrachtet, wenn dabei auch außerschulische Lernorte besucht werden. Insofern liegt es auf der Hand, im Seminarfach auch eine Studienreise zu unternehmen.

In der praktischen Umsetzung klingt das häufig leichter als es in Wirklichkeit ist. Wie kann ein Sachgegenstand aussehen, der den Ansprüchen gerecht wird, aber der den betroffenen Schülern und Schülerinnen auch Spaß macht, sie begeistert?

In gemeinsamen Planungsgesprächen wurde die Lösung gefunden. Das Thema wurde festgelegt: „Aufarbeitung der deutsch-tschechischen Beziehung in einer Längsschnittuntersuchung.“ Für ein Sport-Biologie-Profil klingt das zunächst einmal unspektakulär, ja sogar irgendwie daneben. Dass es das nicht ist, konnte schnell geklärt werden.

Im Vorunterricht wurden die Geschichte Böhmens, die Stadtgeschichte Prags, die Gründung der Tschechoslowakei 1919, die brutale NS-Geschichte mit der Okkupation infolge des Münchener Abkommens 1938 und der Besetzung der Resttschechei im März 1939 bearbeitet. Die Themen führten dann über den „Prager Frühling“ bis hin zum Untergang des Warschauer Paktes. Die Themenschwerpunkte lagen also in der Vorbereitung zunächst nicht auf sportlichen oder biologischen Fragestellungen. Es waren zunächst rein historisch-politische Fragen. Doch ein Sport-Biologie-Profil fühlt sich naturgemäß unterfordert, wenn nicht auch sport-biologische Aspekte einfließen. Durch die sportpraktische Abiturprüfung „Triathlon“ war der Kurs aber auch hierfür bestens vorbereitet. Denn diese Fragestellung sollte am Themenbereich „Touristik – Tschechien als sportliches Urlaubsland“ vertieft werden.

Am 23.10.2017 war es dann soweit. Nach einer 12-stündigen Hinfahrt kam die Gruppe in Spindlermühlen im vier Sterne Hotel Spindlerovabouda an. An diesem Tage konnte natürlich nicht mehr viel unternommen werden. Aber am Dienstag ging es dann mit einer 30 Kilometer langen Mountainbike-Tour durch das Riesengebirge los. Erstaunlich war, wie sich die ostfriesischen „Flachlandtiroler“, die ja eigentlich nur Gegenwind als Gegner kennen, in dieser Bergwelt mit steilen Anstiegen und Abfahrten quer durch das Gelände „verkauften“. Hut ab! Herz-Kreislauf-Parameter und biologische Anpassungserscheinung durch Höhentraining konnten bewusst gemacht werden. Zur Entspannung gab es dann noch eine Rodelabfahrt auf der dortigen Sommerrodelbahn.

Am Mittwoch ging es dann auf nach Prag. Das im Unterricht Gelernte sollte an realen Orten vertieft werden. Leider war der Aufenthalt in Prag zeitlich sehr begrenzt, so dass die Besichtigungstour auch eher einem Stadtlauf glich. Aber dennoch konnten tolle Eindrücke von der Burg, der deutschen Botschaft, in der sich die DDR-Flüchtlinge 1989 aufhielten, der Karls Brücke und dem Wenzelsplatz gewonnen werden. Und sicherlich trägt dieser Stadtbesuch dazu bei, dass die SuS aus dem Kurs irgendwann einmal wieder nach Prag kommen werden, um diesen Traum von einer Stadt in Ruhe genießen zu können.

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Am Donnerstag standen dann wieder sportliche Aktivitäten auf dem Plan. Auf ging es zunächst zum Felsenklettern. Hier waren neben körperlicher Geschicklichkeit auch etwas Kraft, aber vor allem Angstüberwindung gefragte Attribute. Als nächste Station folgte eine 8 Kilometer lange Schlauchbootfahrt talabwärts, auf der sowohl Kraft, Gruppenkoordination und Navigationsfähigkeiten, aber auch eine gewisse Kälteresistenz gefordert waren.

Am Freitag hieß es dann leider schon wieder Abschied nehmen. Auf der Rückfahrt besuchte die Gruppe dann aber noch die Gedenkstätte Theresienstadt. Man konnte den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Kurses ihre Betroffenheit anmerken. Und spätestens hier wurde jedem klar, wie schändlich es ist, dass heute (2017) wieder Menschen in unseren Deutschen Bundestag gewählt sitzen, die diese verwerfliche deutsche Geschichte und das Leiden der Unterdrückten zum Teil leugnen zumindest aber ständig versuchen zu relativieren.

Einen weiteren schönen Nebeneffekt hatte diese Fahrt. Die Teilnehmer konnten mit allen Sinnen erfahren, wie toll böhmische Koch- und Braukunst ist. Das Hotel, in dem die Gruppe untergebracht war, war schon für eine Schulfahrt klasse. Das Essen war großartig, nicht mehr zu überbieten. Das Personal war immer freundlich und bemüht.

Am Ende der Fahrt war das Resümee eindeutig: Das Thema „deutsch-tschechische Beziehungen“ ist ein Thema, was es lohnt, bearbeitet zu werden. Die Fahrt war/ist ein sehr gelungener Beitrag für Völkerverständigung, gegen Ausgrenzung und Fremdenhass. Und alle Beteiligten haben mit Seele und Geist volle Leistungen erbracht.

In der Abi-Zeitung werden dann unsere Leser noch erfahren können, was noch so alles passiert ist. Freuen Sie sich, freut euch auch schon auf diesen Bericht.

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