Dann eben doch. Machen doch alle. Two and a half men, die Simpsons (schon seit Ewigkeiten), Feuerwehrmann Sam, Micky Maus, selbst Spiderman – alle gönnen sich zur festlichen Zeit des Jahres eine Weihnachtsfolge, in der nach dem üblichen Rezept Bekanntes und Altbewährtes zu einer kitschigen Rührseligkeit zusammengepanscht wird und der überbordende adventliche Ornat nur von einem dünnen Handlungsgerüst gestützt wird – meistens geht es darum, dass Weihnachten aus irgendeinem Grund auszufallen droht (als könnte den Kapitalismus in seinem Lauf das Ausbleiben von Ochs und Esel aufhalten!) und der Held der Geschichte das Fest aller Feste retten muss. Zum Schluss haben sich dann alle ganz furchtbar lieb und zu schmalzigster Musik wird der große Geist der Weihnacht heraufbeschworen.

Soweit will ich es sicher nicht kommen lassen. Aber ein wenig erinnert das, was sich alle Jahre wieder hinter schulischen Fassaden ereignet, doch an die ewige Weihnachtsfolge:

Schon im Oktober kommen die ersten Anfragen in der Klassenstunde, wie man denn den Geburtstag des Weihnachtsmanns zu begehen gedenke. Das Lehrpersonal hat da schon seine Vorstellungen: Gruppentischchen, Platzdeckchen, Mandarinchen, weihnachtliches Liedgut ertönt aus allen Kehlen und der mitgebrachten Trompete, stimmungsvoll klingt der Schultag bei Kerzenschein (ist das eigentlich nicht verboten?!) aus. Anders die Schülerschaft: Sie begeht den letzten Schultag des Kalenderjahres zünftig mit klebrigem Apfelpunsch zu wummernden Dubstep-Beats im gewohnten Neonschein mit anschließendem Klettern über die Tische der raumgreifenden Festtafel und Herumzeigen der schrottigen Wichtelgeschenke. Widerlich! Santa Claus muss in seinem Grab rotieren vor Wut über soviel Ignoranz!

Wieviel schöner dann der offizielle Jahresausklang, wenn sich die Bustür hinter dem letzten Schüler unter allgemeinem Aufatmen geschlossen hat und der Lehrkörper in den Freizeitbereich (oder seit Neuestem ins S-II-Forum) strebt, wo ihn die Verheißung in Form eines kalten Buffets erwartet – natürlich erst, nachdem der Schulleiter ein wenig Balsam auf geschundene Pädagogenseelen geschmiert und verbal auf die eine oder andere Schulter geklopft hat. Und manchmal tritt auch der schuleigene Chor für ein, zwei (oder sieben) Lieder auf, wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier, denn offiziell handelt es sich bei diesem Beisammensein um eine Dienstversammlung, die auch nur bei genügend Anmeldungen stattfindet, anderenfalls müsste… ja, ja.

Ich gebe es ja zu: Auch ich sehne mich nach diesem Weihnachtsfolgen-Gefühl, dieses innere Füße-hochlegen, sich von geistigen Getränken, netten Gesprächen und atmosphärischer Musik einlullen lassen. Und jedes Jahr werde ich Zeuge, wie dieses Gefühl zwischen dem Ausfegen in der Klasse („Wer nimmt die Weihnachtsdeko mit?“), der unruhigen Aufbruchstimmung im Lehrerzimmer („Gehen wir zusammen rüber?“ – „Nein, ich muss noch ein Elterngespräch führen!“ – „Wollen wir nicht hier noch ein Gläschen…?“ – „Ach, Heinz ist schon los.“) und dem Warten auf die Buffeteröffnung zerrieben wird.

Aber was mache ich mir vor? Echte Weihnachtsstimmung gibt es eben nur zu Hause, fern der Arbeit – doch zu groß ist die Sehnsucht, für einen halben Vormittag ein Gefühl der Heimeligkeit herstellen zu wollen, koste es, was es wolle (oder, wie Mutter Hoppenstedt sagte: „Ach nee, Opa, jetzt sei gemütlich!“). Denn wenn man dann doch einigermaßen zur Ruhe gekommen den Blick über die Szenerie schweifen lässt, sind der Ärger über Schmuddelwetter, Unterrichtsstörungen, hässliche Gebäudeteile, ergebnisoffene Konferenzdiskussionen und Minusstunden vergessen, denn man ist umgeben von dem, was das Arbeitsleben so reich und interessant macht – von den besten Kolleginnen und Kollegen der Welt!

Ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr wünscht euch

Mr. HO alias Jochen Hinderks

P.S. Ätsch, ich hab’s doch getan!

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