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Kommen wir zur Eine-Million-Euro-Frage: Die wichtigste Fähigkeit einer Lehrkraft ist

  1. Fachwissen
  2. Einfühlungsvermögen,
  3. Planungskompetenz oder
  4. Sprüche klopfen?

Richtig ist natürlich keine davon, denn auch die fachkundigste, empathischste Superplanerin mit Sprüchen in Deadpool-Qualität kann ihren Unterrichtsentwurf (den wir alle auch nach Beendigung des Referendariats selbstverständlich für jede Stunde schriftlich parat haben) in die Tonne treten, wenn das passiert, was wohl jede pädagogisch tätige Person fürchtet wie der Busfahrer die Abschlussfahrt: DAS UNERWARTETE! (bitte hier dramatischen Tusch einfügen)

Es muss nicht immer der Meteoriteneinschlag, eine Springflut oder das Erscheinen des Antichristen sein, das eine Unterrichtsstunde den Bach hinuntergehen lassen könnte. Die Zahl der möglichen Katastrophen ist Legion und es sind viele kleine Legionäre mit winzigen, aber scharfen Schwertern: Der krankheitsbedingte Ausfall des Klassenprimus‘, dessen Impulsreferat die Marschrichtung für die ganze Unterrichtseinheit vorgeben sollte, ist nur die Spitze des Misthaufens. Viel wahrscheinlicher ist eines der folgenden Szenarien:

- vorausgesetztes Vorwissen ist wider Erwarten doch nicht vorhanden

- die Klasse zeigt ein kollektives Null-Bock-Verhalten (wegen Donnerstagnachmittag, Klassenkeile, Schneefall, sucht euch etwas aus)

- der geplante Medieneinsatz kann aufgrund von Hard- oder Softwarefehlern in der (Passage wegen Jugendgefährdung gestrichen) Technik nicht stattfinden

- ein Großteil des Kurses muss den Unterricht wegen vorher nicht angekündigter Jahrgangsaktivitäten eine Stunde früher verlassen

Tja, der Teufel ist eben ein Eichhörnchen mit Boxhandschuhen. Kein Unterrichtsentwurf wird 1:1 genauso umgesetzt, wie er verfasst wurde – und diejenigen Lehramtsanwärter*innen, die das auf Biegen und Brechen versuchen umzusetzen, werden damit baden gehen, weshalb man gut beraten ist, frühzeitig mal nach links und rechts zu denken, was denn alles passieren KÖNNTE. Deshalb lautet die Antwort auf unsere eingangs gestellte Quizfrage: Improvisationstalent! Dem großen Rudi Carell wird der Ausspruch zugeschrieben, man könne nur das aus dem Ärmel schütteln, was man vorher hineingetan habe. Das, pardon Rudi, würde aber selbst den findigsten Lehrkörper überfordern, denn das hieße etwa, die Sicherung der Erarbeitungsphase in Papierform, digital fürs Smartboard, auf OHP-Folie (wer weiß?) und in Morsecode, den man mit der Handytaschenlampe ins Auditorium blinkt, parat zu haben. Nein, wir rasen mit Vollgas in den Burnout, wenn wir uns die Ärmel mit allen Eventualitäten vollstopfen. Stattdessen müssten wir die Ärmel unseres Sakkos (jaja, oder Hoodies, ihr Hipster!) hochkrempeln und darunter auf dem Arm tätowiert die drei goldenen Regeln lesen:

  1. Keine Panik! (Danke, Douglas Adams. Immer noch einer der besten Ratschläge aller Zeiten!)
  2. Wenn das Bestmögliche nicht geht, nimm etwas, das gut genug ist.
  3. Keine einzelne Schulstunde ist kriegsentscheidend.

Zu Punkt 1 kann man kaum noch Wesentliches ergänzen. Durchatmen und die Datei „Unterrichtsplanung bis jetzt“ im Kopf schließen.

Zu Punkt 2: Fast immer gibt es Alternativen, die länger dauern, nicht so schön aussehen oder weniger methodenvielfältig sind, aber letztendlich das gleiche Ziel erreichen.

Zu Punkt 3: Nein, wirklich nicht. Nicht mal die letzte Stunde vor der Abschlussprüfung, in der nochmal alle inhaltlichen und methodischen Register gezogen werden. Wer es bis hierher nicht im Ansatz kapiert hat, dem wird auch diese Stunde nichts nützen.

Man müsste einfach mal die Gegenprobe machen: Wissen die Kinderchen nach der letzten, fantastisch gelaufenen Stunde, wo einfach alles geklappt hat, wirklich alle besser Bescheid? Nein?

Dann komm doch her, Eichhörnchen!

Bild Mr. HO 94kl

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