
Die Kolumne der IGS Aurich
Mr. HOs ganz eigene Sichtweise auf den Schulalltag.
Moin moin,
mein Name ist Mr. HO alias Jochen Hinderks und ich bin nicht nur Lehrer dieser Schule, sondern auch aufmerksamer Beobachter des Schulgeschehens. Meine – meist augenzwinkernden, aber doch immer ein Körnchen Wahrheit enthaltenden – Beobachtungen findet ihr auf dieser Seite. Feedback (per Mail oder auch auf der Rückseite eines übrigbehaltenen Arbeitsblatts in meinem Postfach) ist sehr erwünscht!
Viel Spaß beim Lesen wünscht euch
Mr. HO sagt: „Ein Wort sagt mehr als tausend Rülpser“ (Folge 178)
Mal eine Frage: Nach welcher Zeitspanne, nachdem man eine Person gesehen hat, ist es sozial anerkannt, wieder erneut zu grüßen? Mein persönliches Gefühl lag ungefähr bei einem Tag: Ich grüße dich heute und morgen dann wieder. In den unteren Jahrgängen der Schule gibt es offenbar ein anderes Zeitgefühl: Gerade noch hat man neunzig Minuten am Stück für allerlei Erkenntnis gesorgt und sich dabei ausgiebig mit den eigenen Schützlingen unterhalten. Irgendwann ist die Stunde zur allgemeinen Freude beendet, die Kleinen flitzen hinaus auf den Flur, man selbst hat noch aufzuräumen. Beim Abschließen dann - also etwa dreißig Sekunden später - begegnen einem dieselben Kinder in anderer Konstellation.
HO sagt: „Mitten im Irgendwo“ (Folge 177)
Neulich in den Sommerferien passierte es: Zuerst sechs Stunden das graue Band mit weißen Streifen und grünem Rand, wie es bei Kraftwerk heißt. Und da ist die Aussicht, egal ob man gerade in Stellingen, Soltau oder Süderbrarup ist, recht ähnlich. Dann aber darf man sich endlich rückengeplagt aus dem Sitz schälen und ist: da. Wo? Tja, um das herauszufinden, haben wir jetzt zwei Wochen Zeit.
Mr. HO sagt: „Wurzeln und Flügel“ (Folge 176)
Rügen ist eine der schönsten Inseln, die bisher sehen durfte. Besonders beeindruckt haben mich dort die Bäume. Verwurzelt in einem kalkhaltigen, schnell austrocknenden und noch dazu steil abfallenden Boden, gepeitscht vom ständigen Seewind und den widrigen Elementen der Ostsee ausgesetzt, krallen sie sich gewissermaßen verzweifelt ans Leben und recken sich dennoch stolz in die Höhe, als wollten sie der Natur entgegenrufen: „Das ist alles, was du drauf hast?“
Mr. HO sagt: „Soll ich’s wirklich lernen oder lass ich’s lieber sein?“ (Folge 175)
Siebte Klasse, Thema Balladen. Zur Auswahl stehen der Erlkönig und die Bürgschaft. Zur Auswahl wofür? Zum Auswendiglernen. Ein paar Wochen Zeit, sich Goethes und Schillers Rache in den Schädel zu hämmern und dann heißt es: Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? Weil ich nicht drangenommen werden will! Denn das auswendige Aufsagen ist für manchen der persönliche Horror und steht auf einer Stufe mit Gleichungen lösen an der Tafel und auf der Weltkarte Tansania finden.
Mr. HO sagt: „Der tägliche Cliffhanger“ (Folge 174)
So, liebe Kinder, erinnert ihr euch, wie wir beim letzten Mal über den Gong sprachen? Ein Grund, warum wir abbrechen mussten, war, dass wir zu wenig Zeit hatten. Nämlich nur 45 Minuten. Warum nur 45 Minuten? Man muss zurückreisen ins Jahr 1898, als eine psychologische Untersuchung mit dem Titel