
Die Kolumne der IGS Aurich
Mr. HOs ganz eigene Sichtweise auf den Schulalltag.
Moin moin,
mein Name ist Mr. HO alias Jochen Hinderks und ich bin nicht nur Lehrer dieser Schule, sondern auch aufmerksamer Beobachter des Schulgeschehens. Meine – meist augenzwinkernden, aber doch immer ein Körnchen Wahrheit enthaltenden – Beobachtungen findet ihr auf dieser Seite. Feedback (per Mail oder auch auf der Rückseite eines übrigbehaltenen Arbeitsblatts in meinem Postfach) ist sehr erwünscht!
Viel Spaß beim Lesen wünscht euch
Mr. HO sagt: „Klar soweit?“ (Folge 172)
Nur weil man dieselbe Sprache spricht, heißt das nicht, dass man sich immer gegenseitig versteht. Amen, Mr. HO, ganz große Psychologie! Ich muss zum Beispiel bei der Floskel „das ist kein Thema bei uns“ jedesmal überlegen: Reden sie nicht darüber, weil allen klar ist, wie man darüber denkt? Oder vermeiden sie das Thema, weil es irgendwie unangenehm ist? Und in dem Satz „Du sollst die Oma umfahren!“ hängen die Überlebenschancen der alten Dame ganz entscheidend von der Betonung des letzten Worts ab. Und dann gibt es da noch so ein Wort wie „klären“. Aber dazu muss ich ein wenig ausholen:
Mr. HO sagt: „Die Rache der grünen Eule“ (Folge 171)
Eigentlich mach ich sowas nicht. Gute Vorsätze zum neuen Jahr und so. Aber diesmal bin ich schwach geworden. Mein Sohn hat mir vorgeschlagen, dass wir gemeinsam eine Fremdsprache per App lernen. Und diese App hat mich dermaßen in Beschlag genommen, dass mich interessiert hat, wie sie das schafft. Bei der Recherche bin ich dann auf das nächste Rabbithole gestoßen. Ich sage nur: Dark patterns. Dark patterns werden vor allem in der Handyzocker-Szene angewandt, um einen Spieler dauerhaft an ein Spiel zu binden. Früher wussten wir, wenn Muttern „ESSEN!“ ruft, war es Zeit, die Konsole auszuschalten. Heute wird mit allen Tricks dafür gesorgt, dass du deine Ravioli auf dem Sofa mümmelst. Und dabei nicht weißt, was du da gerade isst, weil du so sehr im Tunnel bist.
Mr. HO sagt: „Im Tal der zerbrochenen Geodreiecke“ (Folge 170)
Denkmäler des Verlusts. Das war mein Gedanke, als ich die Ebene von Arcus zum ersten Mal betrat. Wochenlang war ich in Cosinien umhergewandert, rastlos, besessen von dem Wunsch, das verborgene Tal zu finden. War über die Kämme des Orthogons geklettert, hatte von den schneebedeckten Hängen von Tangentien herabgeblickt, doch nirgendwo konnte ich den Ort entdecken, den zu finden ich immer gehofft hatte. Bis mich eines Nachmittags ein plötzlich aufziehender Gewittersturm dazu zwang, meine Route zu ändern. Ich flüchtete mich vor dem Unwetter in eine Höhle, die kein Ende zu nehmen schien, und folgte dem Tunnel, bis ich irgendwann doch wieder Tageslicht erblickte. Ich konnte kaum glauben, was ich dort sah: Vor meinen Augen breitete sich eine Ebene aus, in weiter Ferne begrenzt von den nebelverhangenen Gebirgszügen des Orthogons. Die Ebene von Arcus. Am Ende hatte ich mein Ziel doch noch gefunden.
Mr. HO sagt: „Hat er nicht gesagt!“ (Folge 169)
Neulich war mal wieder so ein Moment, in dem ich feststellte, dass man auch als erwachsen gelesene Person seinen Spaß mit eigentlich für Kinder gedachten Spielen haben kann. Ich rede von dem Spiel „Stille Post-Extrem“ (sic!), bei dem das alte Flüstern und Weitersagen ins Bildliche übertragen wurde. Heißt in der Praxis: Spieler 1 zeichnet etwas, das Spieler 2 erraten muss und Spieler 3 dann wieder zeichnet, was dann von Spieler 4 wieder erraten muss usw. Mit herrlichen Ergebnissen. So wurde aus „Staubsauger“ über mehrere Stationen am Ende „Mutter“.
Mr. HO sagt: „Talking ´bout my generation(s)“ (Folge 168)
Neulich musste ich erfahren, dass ich in einem Vier-Generationen-Haushalt lebe. Das kam so: Ich selbst gehöre als 1980 Geborener den letzten Vertretern der Generation X an, meine Frau (Geburtsjahr 1981) ist Millennial, unser Sohn, der im Jahr 2011 das Licht der Welt erblickte, gehört der Generation Z an und unsere Tochter aus dem Jahr 2013 der Generation Alpha. Das crazy*, im Alltag aber kaum spürbar. Meistens verbünden sich die beiden Jüngeren gegen uns Alttiere. Nur manchmal wird es mir aufs Brot geschmiert, dass ich als Angehöriger einer anderen (alten) Generation offenbar gar kein Verständnis für die Bedürfnisse der Jugend aufbringen könne. Und ab und zu muss ich mich sogar als Boomer oder boomerig beleidigen lassen. Na Hoppla, ich glaub, mein Hamster bohnert!
