
Die Kolumne der IGS Aurich
Mr. HOs ganz eigene Sichtweise auf den Schulalltag.
Moin moin,
mein Name ist Mr. HO alias Jochen Hinderks und ich bin nicht nur Lehrer dieser Schule, sondern auch aufmerksamer Beobachter des Schulgeschehens. Meine – meist augenzwinkernden, aber doch immer ein Körnchen Wahrheit enthaltenden – Beobachtungen findet ihr auf dieser Seite. Feedback (per Mail oder auch auf der Rückseite eines übrigbehaltenen Arbeitsblatts in meinem Postfach) ist sehr erwünscht!
Viel Spaß beim Lesen wünscht euch
„Dawn of the Dad oder: Auf dem Schulflur ist die Hölle los“ (Folge 101)
Die meiste Zeit des Schuljahres lässt sich das Elternhaus am Mittagstisch auf die Frage, wie denn der Schultag des Kindes verlaufen sei, mit der Antwort „Gut“ abspeisen (ist das Kind sehr gesprächig, vielleicht auch „Ganz gut“). Man hakt da nicht weiter nach, schlürft zufrieden seine Suppe weiter, das Kind verlässt mehr oder weniger fluchtartig die Küche, weil seine Fähigkeit, ein Pokerface aufzusetzen, nicht ausgeprägt genug ist. Denn es gäbe da schon einiges zu berichten, das ist ihm durchaus klar. Aber beide Seiten arrangieren sich mit dieser Fassade: Du sagst nichts, ich frag nichts.„Der Nachsitzer“ (Folge 100)
Einst, um eine Freitagstunde, da mir zukam diese Kunde,
dass ich heut zu der Betreuung Säum’ger eingetragen wär‘,
nahm ich’s hin mit Seelenruhe, sagte mir, das sind doch nur
zwei kleine Stündchen Aufsicht führen und da stell‘ ich Ruhe her.
Das allein – nichts weiter mehr.
„Neunundneunzig Testballons oder Von einem, der auszog, das Lernen zu fürchten“ (Folge 99)
Letztes Jahr bin ich vierzig geworden. Bitte, nur kein Mitleid! Die Seuche ließ damals natürlich noch keine feierlichen Zusammenkünfte zu, weshalb die große Familienparty mit Tee und Kuchen ausfallen musste – oder durfte? Denn auf einmal war der Tag, der ansonsten mit Vormittagsfrühstück und Nachmittagstee, wenn nicht gar noch Abendgrillen vollgepackt war, wieder frei für ganz neue Ideen. Was habe ich also gemacht? Meine Familie ins Auto gepackt und an die Küste gefahren, wo wir uns bei wenig anheimelnden Temperaturen Novemberwind und -wetter um die Nase wehen ließen. Herrlich. Nicht dass ich ein Soziopath wäre, aber dieser Gedanke, an meinem Tag auch mein Ding machen zu können und nicht andere Menschen einzuladen, weil man das nun mal so macht, hatte schon etwas für sich.
„Auf ein Wörterbuch!“ (Folge 98)
Was ist der Unterschied zwischen der Mittelstufe und der Oberstufe?
In der Mittelstufe klagt man, weil die Schüler*innen im Nachbarraum so laut sind.
In der Oberstufe, weil die Lehrkraft so laut ist.
Auf alle möglichen Eventualitäten bereitet einen das Referendariat vor*, nicht jedoch auf Unterrichtsstörungen durch andere Lehrkräfte. Dabei kommt es nicht selten vor, dass man – sei es wegen der Leichtbauweise mancher Wände, sei es wegen offenstehender Türen aufgrund des Lüftungsgebots – gegen die Dauerbeschallung des Lehrer*innenvortrags anreden und dabei feststellen muss, wie einzelne Köpfe im Publikum schon irritiert zwischen den beiden Geräuschquellen hin- und herwackeln, unentschlossen, welches Thema gerade
„Out of the Blackbox“ (Folge 97)
Die Lehrer*innenausbildung in Deutschland muss man sich in etwa so vorstellen wie die Herstellung einer Raumsonde: Zuerst wird das Subjekt über Jahre von verschiedensten Personen unter Laborbedingungen eingehend beobachtet, man schraubt hier und da an Fachinhalten, pädagogischen Fähigkeiten und der Lehrerpersönlichkeit herum, lässt in kontrolliertem Umfeld arbeiten, unterzieht dann die zukünftige Lehrkraft zahlreichen intensiven Tests und Prüfungen und bereitet alles für den Tag des Absch(l)usses vor: Die Rakete verlässt die Rampe, die Herren und Damen Ingenieure bleiben winkend zurück, es schließt sich die Klassentür, und zwar von außen. Von nun an hält man nur noch über Funk Kontakt – alle Geschehnisse in den Tiefen des (Klassen-)Raums bleiben voll und ganz der Kompetenz der Lehrperson überlassen: Was in der 9c passiert, bleibt in der 9c